Plattformen haben klare Wettbewerbsvorteile gegenüber klassischen linearen Unternehmen. Im B2C – Konsumentengeschäft, dominieren die bekannten Anbieter. Doch im anspruchsvolleren B2B-Geschäft entwickelt sich erst langsam der Markt um digitale Plattformen.

Es ist nicht mehr der seit dem Mittelalter bekannte Kampf um Boden, Seezugang, Wasserwege oder Kapital, sondern der Kampf um Marktzugang zu Plattformen! Und wer diesen Kampf gewinnen will und über Plattformen nachdenkt, muss zunächst über Daten und Datenverfügbarkeit nachdenken. Und wer über Daten nachdenkt muss sich über Nutzer digitaler Produkte und Services Gedanken machen.

Es ist der Kampf um Marktzugang zu Plattformen

Doch nun mal ganz von vorne: Wer online shoppt, kommuniziert, auf Medien zugreift oder selbst Content bereitstellt, wer Bankgeschäfte online erledigt hinterlässt Spuren im Netz. Diese z.T. personenbezogenen Daten bilden die Grundlage für datengetriebene Geschäftsmodelle mit dem Ziel,

  • Menschen innovative Produkte & Services anzubieten,
  • Menschen zu aktivieren, um miteinander in Kontakt zu kommen,
  • Menschen zu Transaktionen zu bewegen, die sie als nützlich wahrnehmen.

Fazit: Damit Menschen Informationen über sich preisgeben, muss der Anwendungsfall mit einem Nutzenversprechen verbunden sein. Mit den so gesammelten Daten können diejenigen, die diese Anwendungsfälle bereitstellen, ihr Angebot nach und nach maßschneidern auf die Bedarfe der Nutzer.

Tauschhandel: Daten gegen Nutzenversprechen

Technische Basis dieses Prozesses ist eine Software-Plattform, die den Nutzern meist in Form eines mobil optimierten Angebots im Web zugänglich gemacht wird. Und davon handelt Caseramp: eine Plattform, die Anwendungsfälle mit genau solchen Nutzenversprechen ermöglicht.

Wir haben viele Situationen beobachtet, in denen sich Kunde und DIenstleister für Digitalisierung an einem der beiden Pole befinden:

In einem gemeinsamen Marathon werden endlose Workshop-Marathons veranstaltet, bei denen tonnenweise Slideware produziert werden. Eine unheilvolle Allianz entsteht, weil der eine sich nicht traut, in die Realisierung zu gehen und der andere nur Powerpoint kann.

Oder: In tiefgründigen Diskussionen werden technische Lösungsansätze auseinandergenommen und wieder zusammengefügt, anregend das Für und Wider von IT-Systemen und Frameworks beleuchtet und schließlich Festlegungen getroffen, mit denen CDOs oder IT-Verantwortliche „endlich“ die Tools nutzen können, die sie immer schon mal ausprobieren wollten. In beiden Fällen abwesend: Die Anwender.

Und vor allem: Keine Lösung ohne Problem

Wer eine erfolgreiche digitale Plattform aufbauen möchte, sollte es grundlegend anders angehen. Sich anfangs ein paar Leitgedanken zu formulieren, kann helfen. Hier unsere Vorschläge:

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  • Anwender vor Trends,
  • Lösungsziel vor Lösungsgegenstand.

Diese Sätze zum Leben zu erwecken, ist zunächst eine Frage des Mindsets – konkret: Es ist nicht entscheidend, was ich als (potenzieller) Anbieter gut finde. Sondern welche Bedarfe die potenziellen Nutzer äußern. Zur Identifikation dieser Bedarfe eignen sich Design Thinking Workshops mit intensiven Explorationsphasen von Nutzer-Verhalten, sowie das Einholen eines ersten Feedbacks mit nicht-funktionalen Prototypen.

  • Ist dieses Feedback vielversprechend?
  • müssen Anbieter schnell zu einer Entscheidung kommen?
  • Will ich diesen Bedarf bedienen?
  • Passt das zu uns?
  • Was macht ein Angebot in einem – womöglich ganz neuen – Segment mit unserem Bestandsgeschäft?

Wer zu lange nachdenkt, wird vom veränderten Bedarf oder vom Wettbewerb überholt. Zeit sparen diejenigen, die hier auf digitale Assets – bereits entwickelte, erweiterungsfähige Software-Pakete – setzen: Wer nicht bei null anfängt, kommt schneller zum Prototypen der Zielplattform. Und mit der richtigen technischen Basis bleibt man trotzdem flexibel: fachlich bei der Weiterentwicklung seines Geschäftsmodells. Und technisch im Hinblick auf die großen Fragen wie Betriebsumgebung, Einbettung der Plattform in heterogene IT-Landschaften oder Skalierung einhergehend mit erhöhter Performance.

Dass dieser Spagat funktioniert, begründet sich in ein paar grundsätzlichen Erkenntnissen, die wir in zahlreichen IT-Projekten, ganz kleinen wie ganz großen, gewonnen haben.

Viele funktionale Anforderungen an IT-Plattformen sind wiederkehrend:

Wer eine Benutzerverwaltung mit Bereichsadministration, Mandantenfähigkeit, Content und Dokumenten-Management, ein vollständig responsives Frontend, eine Suchfunktion und einen Formular-Editor dabei hat, bringt meistens nichts Überflüssiges mit. Genauso unerlässlich für den Erfolg der Plattform ist jedoch, den identifizierten Nutzer-Bedarf auch passgenau zu bedienen.

Caseramp Philosophie
Die Caseramp Philosophie: von der Idee über das „Minimum Viable Product“ – So gelingt Plattformentwicklung.

Passgenau lässt sich nicht vorkonfiguriert umsetzen!

Passgenau heißt: Das funktioniert in der Regel nicht vorkonfiguriert. Bereits existierende Funktionen üben zweifelsohne eine verführerische Kraft auf Projektteams aus, sowohl auf Kunden- als auch auf Dienstleisterseite. Und so werden nicht selten Anforderungen so lange hinterfragt und verbogen, bis sie zum vorkonfigurierten Funktionsumfang eines Tools passen. Die ursprüngliche Anforderung der Zielgruppe … war da was? Besser sind tatsächlich explizit für den Anwendungsfall entwickelte Funktionen: Ein Marktplatz für Bauberatungs- und Handwerksleistungen, der genau auf die Bedarfe von Baugemeinschaften eingeht, ist eben doch besser als ein x-beliebiges Anwender-Forum. Ein mit Geodaten, Fahrplänen von Regionalzügen und Ausflugskategorien realisiertes Planungstool für Kurzurlaube in der Umgebung wird vermutlich höhere Akzeptanz erzielen als der mäßig adaptionsfähige, vorgefertigte Hotelbuchungs-Klickpfad einer Buchungssoftware. Zur Steuerung eines Bürogebäudes sollte man am besten eine Plattform entwickeln, die sich explizit an den Anforderungen von Nutzer dieser Art von Gebäude orientiert. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Die Erkenntnis ist stets die gleiche

  • Passgenau lässt sich nicht vorkonfiguriert umsetzen.
  • Standard-Features sollte die Plattform-Technologie mitbringen.
  • Individuelle Features sollten individuell realisierbar sein.
  • Lösungsszenarien müssen real existierende Probleme adressieren

Bleibt das Thema Daten. Daten zu sammeln und zu verarbeiten erfordert einen Vertrauensvorschuss der Nutzer. Diesen rechtfertigt man als Plattformanbieter, indem man mit diesen Daten die Qualität der angebotenen Services kontinuierlich steigert, d.h.: Je mehr ich preisgebe, desto maßgeschneiderter soll das Service-Angebot sein, was ich erhalte. Auch hier gilt: Die Basis sollte die Plattform mitbringen, die Ausgestaltung der Datenmodelle erfolgt dynamisch im Verlauf der Produktentwicklung.

Fazit:  Realisierung erfolgreicher digitaler Plattformen

Wer eine Plattform entwickeln will, sollte mit nutzerzentriertem Mindset zu individuellen Anwendungsfällen gelangen. Lösungsszenarien für diese Anwendungsfälle müssen zum einen real existierende Probleme adressieren, zum anderen die Aussicht auf ein tragfähiges Geschäftsmodell bieten. Und natürlich sollte die anbietende Organisation sich mit ihnen genauso identifizieren können wie die potenziellen Nachfrager.

Hat man die fachliche Grundlage geschaffen, bietet sich ein Software-Asset mit einem Set an standardisierbaren Basis-Funktionalitäten als schneller Weg zum „Minimum Viable Product“ an. Dieses Asset sollte zwingend über diese erste Phase hinaus skalierbar und damit technisch entwicklungsfähig sein. Und damit die Plattform tatsächlich einzigartig und unverwechselbar wird, ist unbedingt zu beachten: Die Features für die erwähnten zielgruppenspezifischen Anwendungsfälle sollten stets kundenspezifisch realisiert, und nicht aus scheinbar passenden vorgefertigten Funktionen zusammenkonfiguriert werden. Caseramp bietet das Mindset und das Asset für die Realisierung erfolgreicher digitaler Plattformen.

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Ulrich Künzel
Ulrich Künzel ist Pre-Sales Consultant für individuelle Digitalisierungslösungen bei der T-Systems Multimedia Solutions GmbH in Dresden. Schwerpunkte: Gestaltung innovativer Services im Finance-, Public- und Telekommunikationsbereich sowie IoT-Lösungen für das produzierende Gewerbe – am liebsten mit Service Design Methoden. Neben seiner beruflichen Tätigkeit gestaltet er als Gründungsmitglied der Open Service Design Academy Formate wie Meetups und Creativity Jams.