VERANTWORTUNG unter dem Blickwinkel eines tradierten Managements hat eine andere Ausprägung und Wirkung als unter dem Blickwinkel einer Führung im Sinne eines „Leaderships“. Der Unterschied zeigt sich im „Wollen“ oder „Müssen“ und damit in der Antriebsfeder bei der Umsetzung der Digitalisierung in Unternehmen.

Partner des Transformationsmagazins

Die Partner des Transformationsmagazins

Gunter Dueck studierte Mathematik und Betriebswirtschaft, promovierte in Mathematik. Nach der Habilitation 1981 war er Professor für Mathematik an der Universität Bielefeld und wechselte 1987 an das Wissenschaftliche Zentrum der IBM in Heidelberg und war maßgeblich am Aufbau des Data-Warehouse-Service-Geschäftes beteiligt. Er ist derzeit als Schriftsteller, Business-Angel und Speaker tätig und widmet sich dem Ausbau des „Wiki of Music“, einer Plattform nach der Art der Wikipedia, auf der möglichst alle Musiknoten der Welt allgemein zugänglich gemacht werden sollen. In seinen  Veröffentlichungen und Vorträgen kommuniziert er die notwendigen Veränderungen in Unternehmen, Behörden und der Gesellschaft durch die unaufhaltsame Digitalisierung und die noch immer vorhandenen Blockaden in Form von Denkmustern.

Prof. Dr. Gunter Dueck ist Schriftsteller und Business-Angel.
Gunter Dueck, war als Chief Technology Officer massgeblich am Aufbau des Data-Warehouse-Service-Geschäftes der IBM Deutschland beteiligt. Seit 2011 ist er u.a. als Schriftsteller, Business-Angel und Speaker tätig und widmet sich dem Ausbau des „Wiki of Music“.

Transformations-Magazin.com sprach mit ihm über die Herausforderung von Unternehmen bei der (Neu)-Definition ihres Geschäftsmodells in Zeiten der Digitalisierung.

Transformations-Magazin: Was treibt Sie an?

Prof. Dr. Gunter Dueck:  Ende der 80er habe mich mit Optimierungsmathematik befasst. Ich fand einen Algorithmus, der bei Flugplänen, Fließbändern oder Touren um gute zweistellige Prozentsätze besser abschnitt als menschliche Planung. Trotzdem stießen wir auf groteske Widerstände, unsere Pläne tatsächlich zu übernehmen. Diese fast erschreckende Änderungsunwilligkeit beschäftigte mich sehr, ich studierte Psychologie und Philosophie und dachte mich in die Menschen, Ängste, Manager, Karrieren und Anreizsysteme hinein. Bis heute habe ich den Ehrgeiz, doch schließlich zum Besseren zu wirken.

Transformations-Magazin: Und was sollte aus ihrer Sicht das Management aktuell antreiben?

Prof. Dr. Gunter Dueck:  Das Management hat sich nun nach dreißig Jahren Prozessorientierung und dann Prozessoptimierung erschöpft. Manche sprechen schon von Effizienzwahn, weil weiteres Bemühen an dieser Front angesichts der Digitalisierung nun langsam kontraproduktiv wirkt.

Die Digitalisierung verlangt andere Geschäftsmodelle bis hin zum Verändern oder gar Aufgeben des Unternehmenszwecks. Das Management muss das Geschäftsmodell neu erfinden, wo es sich bisher nur auf das Kerngeschäft fokussierte und alles andere outsourcte.

Nun kann das Unternehmen „nur noch Kernkompetenz“ – was aber, wenn sich diese wandeln soll? Da stellt sich heraus, dass eventuell zu viel outgesourct wurde. Risiko! Alle haben verstanden, dass das Setzen auf eine Karte schwierig werden kann, etwa wenn man nur ein Produkt verkauft oder nur wenige Kunden hat wie ein Autozulieferer. Aber wenn man nur eine enge Kernkompetenz hat? Das wurde nie thematisiert.

An diese Frage muss das Management ran. Neue Produkte bauen ist viel leichter als Kernkompetenzen zu wechseln, weil es im letzteren Fall die Menschen betrifft…

Transformations-Magazin: Wie ist aus ihrer Sicht die Umsetzung der Digitalisierung in Unternehmen möglich?

Prof. Dr. Gunter Dueck:  Geschäftsmodelländerung ist schwierig, weil ja niemand zuständig ist. Die Fachabteilungen haben die alten Kernkompetenzen, und die IT, die die Digitalisierung umsetzen könnte, steht unter enormem Kostendruck und managt Systeme. Vor lauter Verzweiflung kreieren viele Unternehmen einen CDO (Chief Digital Officer), der meist jung und dynamisch ist, aber zu wenig Macht hat. Wenn man sich alle halbherzigen Versuche anschaut, ist klar: Es ist Chefsache. Punkt.

Transformations-Magazin: In ihrem Buch „Das Neue und Seine Feinde“ beschreiben sie, wie Ideen verhindert werden und sich trotzdem durchsetzen, was können wir daraus in den Essenz lernen?

Prof. Dr. Gunter Dueck:  Wie gesagt: Ich habe eine lange Erfahrung mit allen Arten von Unwilligkeiten und Verlangsamungen („bevor wir das bauen, zeigen Sie doch erstmal einen Prototypen aus Pappe auf der Messe – – – oh dieses Jahr wird es nichts mehr, aber dann“). Diese habe ich geordnet und führe sie dem Leser vor Augen.

Kochrezepte stehen aber nicht drin. So einfach geht es nicht. Speziell das ist die größte Hürde der Innovation: Warten auf erprobte Rezepte, die ohne Fehler und Tadel zu Ziel führen. Ich kann vor Fehlern und Fallen warnen, aber eigentlich braucht es dann doch Virtuosität. Sonst könnte ja jeder Milliardär werden.

Transformations-Magazin: Vielen Dank für dieses Gespräch!

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