Wie beurteilen deutsche und internationale Führungskräfte im Vergleich zueinander die Herausforderungen durch die digitale Transformation zur Industrie 4.0? Eine Studie zeigt Gemeinsamkeiten, verdeutlicht aber auch die Unterschiede.

Gemeinhin wird mit dem Begriff Industrie 4.0 die intelligente Vernetzung und Digitalisierung der Produktion assoziiert. Der Einsatz innovativer Technologien wie Analytics, künstlicher Intelligenz oder des Internets der Dinge sollen quasi eine vierte industrielle Revolution in Gang setzen.

Doch hinter Industrie 4.0 steckt mehr. Es steht zugleich für eine umfassende digitale Transformation, die als fortlaufender Prozess Unternehmen, Geschäftsmodelle sowie Führungskräfte und Mitarbeiter ebenso erfasst und verändert wie die Gesellschaft insgesamt.

Entscheidend für eine erfolgreiche Zukunft ist daher nicht allein, wie Unternehmen ihre Strategien anpassen und neue Technologien einsetzten. Von Bedeutung ist vielmehr, ob sie in der Lage sind, den gesellschaftlichen Wandel aktiv mitzugestalten und ihre Mitarbeiter für die Arbeitswelt der Zukunft weiterzuentwickeln.

Sind Sie bereit für die vierte industrielle Revolution?

Die Unternehmensberatung Deloitte hat für die aktuelle Studie „The Fourth Industrial Revolution is Here – Are You Ready?“ über 1600 Führungskräfte aus 19 Ländern und 10 verschiedenen Branchen befragt, darunter auch 100 Führungskräfte deutscher Unternehmen. Im Mittelpunkt der Befragung standen die folgenden vier Schwerpunkte:

  • Soziales,
  • Strategie,
  • Mitarbeiter und
  • Technologie.

Spannend ist dabei der Blick auf Deutschland: Wie gut sehen sich die deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich aufgestellt und welche Besonderheiten lassen sich feststellen?

Im Folgenden finden sie die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

Mehr Gerechtigkeit und Stabilität für die Gesellschaft

Fast 90 Prozent der Führungskräfte gehen davon aus, dass Industrie 4.0 einen positiven Einfluss auf die künftige Entwicklung der Gesellschaft hat und zu mehr Gerechtigkeit und Stabilität führen wird. In Deutschland sehen dies knapp über 80 Prozent der Studienteilnehmer.

Weltweit wird dabei öffentlichen und privaten Unternehmen der größte Einfluss zugeschrieben. Dem stimmen auch die deutschen Führungskräfte zu, doch sie messen der Rolle von zwischenstaatlichen Kooperationen und Allianzen einen höheren Stellenwert bei.

Weniger als ein Viertel der globalen Führungskräfte glaubt allerdings, dass ihr Unternehmen selbst gesellschaftliche Aspekte entscheidend beeinflussen kann, um eine faire und gerechte Zukunft aktiv mitzugestalten. Besonders geringe Chancen sehen sie in den Bereichen Nachhaltigkeit (10 Prozent) und Bildung (12 Prozent). Lediglich 6 Prozent der befragten Führungskräfte aus Deutschland trauen ihren Unternehmen Einfluss auf Aus- und Weiterbildung zu. In der Arbeitswelt von Industrie 4.0 werden die Erweiterung beruflicher Qualifikation und lebenslanges Lernen allerdings zu entscheidenden Erfolgsfaktoren.

Daten als wichtige Grundlage für die Strategie

Nur ein Drittel der weltweit befragten Führungskräfte ist davon überzeugt, ihr Unternehmen sicher durch die digitale Disruption führen zu können. Nur 14 Prozent sind sich sicher, dass ihre Organisation darauf vorbereit ist, das daraus erwachsende Potenzial in vollem Umfang nutzen zu können.

Strategisch setzt die Mehrheit der Führungskräfte den Fokus auf die Entwicklung neuer Produkte und Services, die Steigerung der Produktivität und Wachstum. Damit folgen sie eher einer traditionellen Ausrichtung, statt die Möglichkeiten von Industrie 4.0 zu nutzen, die durch Weiterentwicklung der Mitarbeiter oder Disruption im Wettbewerb entstehen können.

International sehen 40 Prozent der Führungskräfte die Entstehung neuer Geschäfts- und Vertriebsmodelle im Rahmen von Industrie 4.0 als große strategische Herausforderung, doch nur 26 Prozent der deutschen Befragten stimmen dem zu.

Auch die Frage, wie wichtig es für Unternehmensführer ist, sich auf Innovation zu fokussieren, beantworten nur 29 Prozent der deutschen Führungskräfte positiv,  international sind es 40 Prozent.

Mit Blick auf die Treiber der vierten industriellen Revolution erscheinen diese Einschätzungen der deutschen Studienteilnehmer als bedenklich. Positiv hingegen: Deutsche Entscheider halten die Ausrichtung auf datengetriebene und transformative Strategien für wichtiger als die anderen Teilnehmer an der Studie.

Weiterbildung und Veränderung der Arbeitskultur notwendig

Lediglich ein Viertel der befragten Führungskräfte ist überzeugt davon, dass ihr Unternehmen bereits über die passenden Mitarbeiter – hinsichtlich der Qualifikation und Zusammensetzung der Teams – verfügt. 86 Prozent von ihnen geben in der Studie sowohl international als auch hierzulande an, dass sie sich mit vollem Engagement auf die Weiterentwicklung ihrer Mitarbeiter für die neuen Anforderungen fokussieren.

Die Resultate der Detailfragen zum Thema Mitarbeiter lassen aber Zweifel aufkommen, ob die Unternehmen tatsächlich schon bereit sind, konsequent eine neue Arbeitskultur in ihren Unternehmen zu etablieren, die Weiterbildung und die Gewinnung neuer Talente in den Mittelpunkt stellt. So stehen etwa HR-Themen auf der Agenda weit hinten und auch die genannten Einschätzungen zur Weiterbildung können als Indiz hierfür gewertet werden. Ebenso wie die insgesamt uneinheitlichen Einschätzungen, wie sich die Anforderungen an die Fähigkeiten der Mitarbeiter und die Geschwindigkeit der Weiterentwicklung ändern werden oder wie die Arbeitsverhältnisse und Arbeitsverträge der Zukunft gestaltet sein sollen. Ein ähnliches Bild zeichnen auch die Antworten der deutschen Studienteilnehmer.

Neue Geschäftsmodelle und Mehrwert für die Kunden

Die Umstellung auf Industrie 4.0 ermöglicht die Integration digitaler und physikalischer Technologien, um Prozesse zu verbessern, die Produktivität zu steigern und Innovationen voranzutreiben. Das ist den Führungskräften weltweit bewusst. Aktuell konzentrieren fast drei Viertel der Befragten ihre Technologieinitiativen auf ihre Betriebsabläufe und Prozesse.

Sie erkennen ebenfalls, dass sie in neue intelligente Technologien investieren müssen, die als Grundlage für neue Geschäftsmodelle dienen können. Doch geben viele der befragten Führungskräfte zugleich an, dass die Einführung neuer Technologien sie vor zahlreiche Herausforderungen stellt. Die strategische Ausrichtung im Unternehmen (43 Prozent), mangelnde Zusammenarbeit mit externen Partnern (38 Prozent), der Fokus auf kurzfristige Effekte (37 Prozent) und das Fehlen geeigneter Technologien (36 Prozent) sind dabei die größten Hindernisse.

Im globalen Vergleich nennen deutsche Führungskräfte einige Punkte, bei denen ihre Unternehmen durch die Einführung neuer Industrie-4.0-Technologien stärker profitieren können als die globale Konkurrenz. Laut eigener Einschätzung sind die Gründe dafür, dass ihre Technologieprodukte den Kunden einen erkennbar höheren Mehrwert bieten und dass deutsche Unternehmen besser verstehen, wie die neuen Technologien Lieferketten verändern und bestmöglich in die externe Infrastruktur integriert werden können.

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