Heute kann ein 23-jähriger aus irgendeiner Garage für enorme Disruption sorgen – und das Geschäftsmodell eines gestandenen Industriekonzerns über Nacht obsolet machen. Das erfordert neue Business-Model-Ansätze.

Der rasante technologische Wandel sorgt für Bewegung in vielen Märkten: Heute kann ein 23-jähriger aus irgendeiner Garage für enorme Disruption sorgen – und das Geschäftsmodell eines gestandenen Industriekonzerns über Nacht obsolet machen. Das erfordert eine neue Denk- und Herangehensweise an das eigene Business-Modell. Acht Denkanstöße für das Geschäftsmodell der Zukunft.

Freimachen!

Schon vor der Pandemie befand sich unsere Wirtschaftswelt in einer dynamischen Transformation. Die Corona-Krise gibt Unternehmen jetzt die Chance, sich von alten Denkmustern freizumachen und ganz neue, zukunftsfähige und nachhaltige Ansätze zu verfolgen. Was vorher ein eher schleppender Prozess war, ist jetzt, da der Handlungsdruck sehr stark ist, ein nahezu einfaches Unterfangen. „Do or die“, sagen die Amerikaner, handle oder stirb! Wer versucht, dabei nur im „Heute“ anzukommen, ist morgen schon wieder von gestern. Es geht darum, weiterzudenken, von der Zukunft her zu denken – und verantwortungsvoll den Weg dorthin zu bereiten:

Digitalisierung ist nur Mittel zum Zweck

Wer sein Unternehmen oder Geschäftsbereiche digitalisiert, weil es alle tun, wandelt auf dem Holzweg. Digitalisierung ist immer nur Mittel zum Zweck, nie der Zweck selbst. Im Vordergrund stehen immer die Fragen: Wo wollen wir in Zukunft stehen? Welchen Beitrag möchten wir als Unternehmen in der Gesellschaft leisten? Wie sehen unsere Kunden, Produkte und Dienstleistungen aus? Erst dann stellt sich die Frage, wo eine Digitalisierung notwendig und hilfreich ist.

Menschliche Kompetenzen bündeln

Das zunehmende Fortschreiten der Digitalisierung wird in vielen Bereichen monotone, anstrengende oder repetitive Arbeit an Computer und Künstliche Intelligenzen abgeben. Damit gewinnen die menschlichen Fähigkeiten wie Empathie, Kreativität oder Selbstkritik an Bedeutung. Um diese Fähigkeiten zu fördern, stellt sich die Frage, wie das Unternehmen der Zukunft organisiert sein sollte.

Organisationsformen der Zukunft

Wir bewegen uns auf ein Zeitalter zu, in dem starre Organisationsformen zunehmend obsolet wirken. Die 9-to-5-Arbeitszeit wird schon heute hinterfragt. Arbeit aus dem Home-Office ist spätestens seit der Pandemie nicht mehr allein Digitalnomaden oder jungen Startups vorbehalten, sondern „salonfähig“ geworden. Um menschliche Kompetenzen wie Kreativität im Unternehmen zu fördern, sollten passende Organisationsformen etabliert werden. Holocracy oder die Organisation als Netzwerk sind zwei Ansätze dafür. Es geht immer darum, fruchtbaren Boden für Kreativität und Innovation zu schaffen. In getrennten Geschäftsabteilungen, in denen die Teams in ihren Fach-Silos sitzen, kann Kreativität nur schwer blühen.

Strategie auf Basis der Vielfalt

Strategie aus dem „Elfenbeinturm“ ist überholt. Sie funktioniert nicht mehr, weil sie den Kontakt zur Außenwelt verliert und oftmals weltfremd ist. Strategieentwicklung entsteht heute durch Beteiligung von Mitarbeitern und Kunden – und mit Bedacht auf die Umwelt. Sie ist nie statisch, sondern verändert sich flexibel mit ihren Rahmenbedingungen. Strategische Entscheidungen werden nicht mehr von wenigen „da oben“ getroffen, sondern von einer möglichst diversen Gruppe unterschiedlichster Hierarchieebenen – sofern das Denken in Hierarchieebenen überhaupt noch zeitgemäß ist. Je mehr Perspektiven ein Problem beleuchten, desto vielfältiger, kreativer und praxisnaher fallen die Lösungsansätze aus.

Führung neu denken

Die Zeiten sind vorbei, in denen einzelne entscheiden, wie die Mehrheit zu arbeiten hat. Das Verständnis von Leadership hat sich in den letzten 10 Jahren stark gewandelt. Die Rolle der Führungskraft besteht heute darin, ihren Leuten den Rücken freizuhalten und den Weg freizumachen. Entscheidungen treffen die Mitarbeitenden eigenverantwortlich! Die Führungskraft von morgen ist Coach und Mentor, Förderer und Forderer. Sie schafft Freiräume, in denen sich das Team bewegen, ausprobieren, experimentieren, und Verantwortung übernehmen kann.

Kundenfokus

Customer Centricity ist eigentlich schon ein alter Hut. Und auch wenn einige Unternehmen schon sehr kundenbasiert agieren, gibt es oftmals noch andere Bereiche, Prozesse oder liebgewonnene Gewohnheiten in der Firma, die keinen „sinn-vollen“ Kundenmehrwert und keine Aussicht auf eine positive Zukunft bieten. Hier gilt es, sich radikal davon zu lösen. Alles, was keinen sinnvollen Kundenmehrwert bietet, sollte in Zukunft abgestoßen werden. Ein Ballon steigt höher, wenn er Ballast abwirft.

Das eigene Geschäftsmodell kannibalisieren

Oftmals klammern sich Unternehmen in dynamischen Märkten so lange an ihrem Geschäftsmodell fest, bis es keins mehr ist. Verantwortliche sollten sich davon lösen. Wer die Zukunft mitgestalten möchte, muss sich klar machen: Das eigene Geschäftsmodell ist nicht statisch. Im Idealfall bilden Unternehmen interne Teams, die sich kontinuierlich auf die Suche nach neuen Geschäftsmodellen begeben – und auch das bisherige Geschäftsmodell kannibalisieren. „Challenge my Business Model“! Besser, es tun die eigenen Leute als der Wettbewerb. Unternehmertum der Zukunft bedeutet auch, bewusst krisenähnliche Zustände zu schaffen, um sich von einem obsoleten System in ein neues innovatives System zu transformieren.

Zweigleisig fahren

Das führt zur nächsten Frage: Wie gelingt es uns, das operative Tagesgeschäft weitestgehend weiterzuführen und gleichzeitig innovative und nachhaltige Geschäftsmodelle auf die Strecke zu bringen? Eine Antwort liegt in der sogenannten organisationalen Ambidextrie (Beidhändigkeit). Sie besteht aus den beiden Hebeln „Exploit“ (Verwerten) und „Explore“ (Erkunden). Ein Teil der Mitarbeitenden führt das Tagesgeschäft weiter, bis der andere Teil innovative Geschäftsmodelle entwickelt hat und neue Märkte erobern können.

Fazit: Flexibilität und Mut zur Veränderung

Wer sich mit diesen acht Denkanstößen auseinandersetzt und versucht, sie im Unternehmen anzuwenden, wird es anfangs schwer haben, denn: Es bedeutet, regelmäßig die eigene Komfortzone zu verlassen, den liebgewonnen „Status quo“ abzulegen und sich kontinuierlich ins Neuland hinauszuwagen. Doch diese Flexibilität und der Mut zum regelmäßigen Wandel zahlen sich aus. Die Mitarbeitenden können sich kreativer entfalten, die Organisationsstruktur ist weniger krisenanfällig, weil wandlungsfähiger – und im gesamten Unternehmen macht sich eine durchgehende Pionier- und Aufbruchstimmung breit. Digitale Tools werden genutzt, wo sie Kunden und Mitarbeitende weiterbringen und Prozesse vereinfachen. Der Mensch steht aber im Mittelpunkt. Das Geschäftsmodell der Zukunft wird nicht gemanagt oder verwaltet – sondern verändert und gestaltet!

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