Viele Unternehmen müssen sich neu erfinden, um im Wirtschaftsleben der Zukunft eine Rolle zu spielen. Hierfür braucht man frische, kühne, unverbrauchte Initiativen – von Menschen, die als unkonventionelle Ideengeber fungieren. Dies erfordert auch einen neuen Führungsstil.

Der Katalysator ist der Visionär unter den Führungskräften, ein Inspirator, ein hervorragender Kommunikator und kreativer Innovator, ein Empathiekünstler und Menschenfreund. Er besitzt Enthusiasmus, ansteckende Begeisterungskraft und hohes Motivationstalent. Ihm gelingt es spielend leicht, andere für die Zukunft zu entflammen.

So wie der Katalysator in einem chemischen Versuchslabor setzt er Prozesse in Gang und zieht sich dann wieder zurück. Er stellt sich nicht selbst ins Rampenlicht, sondern sorgt dafür, dass seine Mitarbeiter sich diesen Platz verdienen. Er bringt Selbstvertrauen, Agilität und Erneuerungsgeist in vormals erstarrte Strukturen.

Ein Katalysator führt inspirierend, indem er das Arbeitsgeschehen moderiert und Vorschläge macht. Er führt hingegen nicht über Anweisungen, Druck und Antreiberei. Vielmehr fördert er die Eigeninitiativen seiner Mannschaft. Verantwortung und Kontrolle verbleiben bei den einzelnen Mitarbeitern oder im Team.

Ein Katalysator fördert die Eigeninitiativen seiner Leute

Ein Katalysator sorgt für bestmögliche Rahmenbedingungen und stellt die erforderlichen Ressourcen bereit. Denn er weiß: Mitarbeiter bringen – genauso wie Spitzensportler – nur in einem optimalen Umfeld ihre Höchstleistung ein. Deshalb müssen individuelle Arbeitsmotive und Talente ermittelt sowie zwischenmenschliche und organisatorische Motivationshemmer identifiziert und weggeräumt werden.

Arbeitsplatz und Aufgabe passt der Katalysator an die Fähigkeiten der Mitarbeiter an – und nicht den Mitarbeiter an die Stelle. Selbstorganisation und Autonomie sind ihm wichtig. Immer bietet er seine Hilfe an und gibt Rückendeckung. Nur im Notfall greift er steuernd ein. Und so sagt er das beispielsweise: „Ich traue jedem hier zu, dass er nur das bestellt, was er wirklich benötigt. Deshalb braucht ihr meine Unterschrift nicht.“

Ein Katalysator ist Motivator und Potenzialentwickler

Als Katalysator muss man nicht alles selbst können, sondern nur wissen, was es bedeutet, wenn jemand auf den einzelnen Professionalitätsstufen seinen Job richtig gut macht. Geht es um eine konkrete Aufgabenstellung, motiviert er so:

„Mach etwas Großartiges daraus, ich lasse dir freie Hand. Such dir ein paar Weggefährten, die dir auf der Reise zum Ziel helfen können. Lass uns öfter über das reden, was bei dir gerade ansteht. Und wenn Du mal einen Rat brauchst, komm baldmöglichst vorbei. Es gibt immer auch Baustellen und Sackgassen, in die man auf seinem Weg besser nicht hineingerät.“

Sogar in schlechten Zeiten senden Katalysatoren zunächst Appelle wie diesen:

„Wir wollen Euch keine Vorgaben machen, wo Ihr sparen müsst. Jeder hier weiß von zu Hause, wie man einen Haushalt führt, wenn‘s mal enger wird.“

Und dann lädt er seine Leute ein, wie die Profiler nach Einsparmöglichkeiten zu fahnden. Freiwilligkeit ist die wichtigste Zutat für Antrieb und Umschwung. Dann tun wir etwas nicht, weil wir es müssen, sondern weil wir es wollen. Und am Ende steht der „Mein-Baby-Effekt”: Was man selbst geschaffen hat, lässt man nicht mehr im Stich. Dabei trägt man auch beschwerliche Maßnahmen mit und setzt sie engagiert um.

Fragen und Monitoring statt Ansagen und Kontrolle

Bei einem Katalysator gibt es kein zögerliches Abwarten, kein zaghaftes Um-Erlaubnis-bitten, keine langwierigen Freigabeprozesse und kein umfängliches Absichern nach allen Seiten. Denn er weiß: Neuerungen können nur dort entstehen, wo es den passenden Nährboden gibt:

  • die Erlaubnis zum Widerspruch,
  • ein freizügiges Teilen guter Ideen,
  • eine ergebnisoffene Lernkultur und
  • Freiraum zum Experimentieren.

Iterative Prozesse und regelmäßige Feedback-Schleifen sichern das zügige Voranschreiten der Projekte und Initiativen. Besprochen werden folgende Punkte:

  • Was wurde seit dem letzten Mal geschafft?
  • Was sind die nächsten Schritte?
  • Was hat besonders gut geklappt?
  • Welche Hindernisse sind aufgetaucht?
  • Was können wir beim nächsten Mal besser machen?

Eins der wichtigsten Werkzeuge eines Katalysators sind kluge Fragen. Damit lässt sich sein Wechselspiel aus Nähe und Distanz gut austarieren. Ein zweites Werkzeug ist das Monitoring. Im Gegensatz zur Kontrolle, die auf Misstrauen basiert, impliziert das begleitende Monitoring Interesse am eigenständigen Gelingen einer Aktion.

Humanorientierung ist dem Katalysator sehr wichtig

Während beim alten Führen Projekte ständig stocken, weil man auf Entscheidungen „von Oben“ warten muss, ist das Vorgehen im Umfeld eines Katalysators schnell und agil. So kann sich die komplette Mannschaft flexibel und wendig auf die immer neuen Überraschungen des Marktes und die volatilen Wünsche der Kunden konzentrieren.

Ein Katalysator will das Beste erwecken, das in seinen Mitarbeitern steckt. Er brennt sie nicht aus und hält sie auch nicht „klein“. Er macht sie vielmehr stark, damit sie dem Unternehmen ihre ganze Energie geben können. Drei wichtige Zutaten sind dabei unabkömmlich: Eigenverantwortung, verbindliche Absprachen und Verlässlichkeit.

Humanorientierung und Menschlichkeit sind ihm überaus wichtig. Denn er versteht: Um Top-Resultate auf Dauer zu sichern, braucht es vor allem Beziehungsarbeit. So bringt er andere dazu, mit ihm gemeinsam zu wachsen. Ambitionierte Ziele und herausragende Ergebnisse sind ihm überaus wichtig. Doch er liebt die Menschen mehr als die Macht. Er setzt auf Offenheit, Fairness, Vertrauen und Dialog.

Katalysatoren haben einen ausgeprägten Chancenblick

Katalysatoren besitzen eine ausgesprochen hohe emotionale Intelligenz. Sie können zwar auch unbeirrt und konsequent durchgreifen, schätzen aber aufgrund ihrer sozialen Begabung sehr viel besser ein, wann dies in welcher Form notwendig ist. Sie haben nicht nur die Interessen des Unternehmens, sondern auch gute zwischenmenschliche Beziehungen im Sinn. Sie sind exzellente Networker und entsprechend stark vernetzt.

Sie lieben die Zukunft, alles Quirlige, die sich digitalisierende Welt – und kühne Ideen. Sie sind offen für interessante Vorschläge und haben den Mut, ins Neuland zu gehen. Vielversprechende Initiativen haben bei ihnen gute Überlebenschancen. Kreative Köpfe fühlen sich, wie Untersuchungen des Soziologen Richard Florida zeigen, vor allem dort hingezogen, wo die drei Ts zu finden sind: Technologie, Talente und Toleranz.

Genau das ist die Welt der Katalysatoren. Sie schaffen Orte, an denen es vor High Potentials geradezu wimmelt. Sie haben Vermarktungsgeschick und ein hohes Kundenverständnis. Sie empfinden Leidenschaft für ihre Sache und strahlen dies auch aus. Ihre Freude an der Arbeit überträgt sich auf alle, die von ihnen geführt werden. Solche oft charismatischen Führungspersönlichkeiten haben einen Sympathie-, vielfach sogar einen Bewunderungsbonus. In ihrem Umfeld kann wirklich Großes gelingen.

Mehr zum Führungsverständnis für heute und morgen finden Sie in „Die Orbit-Organisation – In 9 Schritten zum Unternehmensmodell für die digitale Zukunft“ .

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