Die Industrialisierung brachte Automatisierung, die Globalisierung öffnete Märke und die Digitalisierung schafft Transparenz – Eine Chance die man nutzen sollte – „Banking-as-a-Service“ als Leitfaden für die Bank von Morgen!

Einst war es die Industrialisierung, dann die Globalisierung und heute ist es die Digitalisierung die den Druck zu Veränderungen in Unternehmen oder gar ganzen Branchen erzwingt. Unternehmen und Institute mussten und müssen sich permanent den sich wandelnden Gegebenheiten anpassen. In der Industrialisierung war es der technische Fortschritt der Automatisierung, der eine größere Produktionsmenge, damit mehr Absatz und als Ergebnis einen höheren Wohlstand ermöglichte. Die Globalisierung fungierte als Türöffner sowohl für die Wirtschaft als auch die Gesellschaft. So ermöglichte Sie, neue Märkte zu erschließen, die Geschäftstätigkeiten auszuweiten und neue Mitarbeiter Ressourcen gewinnen zu können. Darüber hinaus ergaben sich völlig neue Möglichkeiten für Tourismus und Forschung. Was bringt uns also die Digitalisierung? Vernetzung, weitere Kundenzugänge, Geschwindigkeit und Transparenz!

Einflüsse der Marktveränderungen auf Unternehmen
Die Industrialisierung brachte Automatisierung, die Globalisierung öffnete Märke und die Digitalisierung schafft Transparenz – Eine Chance die man nutzen sollte!

Geschäftsmodell – Kernelemente einer erfolgreichen Zukunft

Wie in dem Beitrag meines Kollegen Achim Teichert für den Bank Blog bereits herausgearbeitet, ist die Zukunft wie einst im Star Trek Universum skizziert, bereits heute mehr Realität als Gene Roddenberry sich das 1966 vorstellen konnte. Doch die Digitalisierung verspricht gerade für die Bankenbranche die Möglichkeit sich neu zu erfinden und damit im Finanzsektor ihre Vormachtstellung als kundennahes, vertrauensvolles Geldinstitut doch nicht zu verlieren.

Die erfolgreichen Geschäftsmodelle im heutigen Zeitalter sind digitale Plattformen, also Marktplätze auf dem sich Käufer Produkte diverser Anbieter online anschauen, bewerten, vergleichen und erwerben können. Dies alles mit einer hohen Benutzerfreundlichkeit respektive Bequemlichkeit: Schnell und einfach, direkt vom heimischen Sofa aus. Die allgemein bekanntesten Unternehmen und Ihre Plattformen sind Amazon, Spotify, Zalando im B2C Bereich oder AXOOM sowie Mercateo im B2B Segment.

Empfehlung: Regionales Banking der Zukunft = Banking-as-a-Service

Überträgt man das Kundenbedürfnis aus den genannten Beispielen auf die Bankenwelt, dann lässt sich ableiten, dass der Kunde eine fundierte Finanzberatung und ein ausgiebiges Produktportfolio von seiner Bank – genauer gesagt von seinem Banker – erwartet. Also eine individuelle auf die Kundenbedürfnisse ausgerichtete Finanzlösung.  Eine einzelne Bank, die nur ihre eigenen Produkte vertreibt, kann diese Bedürfnisse heute zumeist nicht mehr erfüllen. Und da geht es meist nicht um nationale und internationale rechtliche Vorschriften, sondern mehr um die eigenen Compliance Richtlinien, ein limitiertes Produkt- sowie Kompetenzportfolios sowie auf Grund der selbst auferlegten Rating Systeme, die digitale Geschäftsmodelle, digitale Prozesse oder moderne Organisationsformen gar nicht mehr verstehen, geschweige denn abbilden können.

Änderungen im Markt für Finanzdienstleistungen
Entwicklung der Divergenz zwischen Bankenangebot und Kundenbedürfnis

Es ist, gelinde formuliert, eher untypisch, Kredite von Kleinst- bis Milliardenbeträgen und Laufzeiten von wenigen Tagen sowie Wochen bis Jahrzehnten und jegliche Kombination daraus als alleinstehende Bank anzubieten – und das auch noch für Firmen die entweder sehr jung oder aus jungen Industrien stammen. Kunden, vor allem Firmenkunden, benötigen eine solche Varianz des Angebots für Ihre Bedürfnisse jedoch und sie erwarten dies von Ihrem Finanzinstitut des Vertrauens sogar. Denn Unternehmen werden Ihre Bedürfnisse an den Finanzsektor befriedigt bekommen, stellt sich nur die Frage ob von einer/ihrer Bank oder einem anderem Marktteilnehmer.

Um im Wettbewerb des Finanzsektors bestehen zu können, werden sich Banken grundlegend wandeln müssen, vor allem in Ihrem Selbstverständnis und Ihren Geschäftsmodellen. Banken werden sich also öffnen müssen, um diese Vielzahl an Produkten und auch die Kompetenzen zur Befriedigung der heutigen Kundenbedürfnisse überhaupt verstehen und dann auch bedienen zu können.

Wirft man einen weitergehenden Blick auf die für die Bankenbranchen relevanten Aspekte der Digitalisierung – Vernetzung, weitere Kundenzugänge, Geschwindigkeit und Transparenz – dann lassen sich ganz konkrete Handlungsfelder für die Banken der Zukunft ableiten:

Vernetzung schafft Benutzerfreundlichkeit

Die schnellere, unkompliziertere digitale Vernetzung von Menschen untereinander sowie zu Systemen ermöglicht auch eine deutlich höhere Benutzerfreundlichkeit bei der Verwendung von digitalen Produkten oder Services. Dazu macht es die Leistungserbringung unabhängig vom Erzeugungsort. Schwer vorstellbar für eine Bank? Ganz im Gegenteil, Plattformen wie Check24 machen es sogar vor. Genau wie bei der Bank galt die Vermittlung von Versicherungen als ein sehr vertrauensvolles Geschäft, bei dem viel auf persönliche Beziehungen wert gelegt wurde. Heute werden fast 40 Prozent aller Versicherungen online abgeschlossen wobei fast 60 Prozent der Bundesbürger sich einen Onlineabschluss vorstellen können. Darüber hinaus vergeben FinTechs heute schon Kredite, Baufinanzierungen und verändern Kontokorrentkreditrahmen online per Klick. Warum soll das eine klassische Bank nicht können?

Banken entwickeln oder besitzen gar schon technisch hoch fortschrittliche Systeme, um Beispiele zu nennen: Banking und Payment Apps: Sicher, EU-DSGVO konform, leistungsstark. Warum setzen sie sich dann nicht flächendeckend durch? Weil jede Bank eine eigene Banking-App hat, eine eigene Mobile Payment App und jede App nur das Produkt- und Informationsportfolio ihrer Bank beinhaltet. Dies führt dazu, dass Kunden mehrere Banking- und Payment- Apps benötigt um alle Konten und alle Finanzbedürfnisse im Überblick und unter Management halten zu können. Warum sollte ein Kunden dann auf die Bank als Anbieter zugreifen, wenn er über einen Drittanbietern alle Konten einsehen sowie alle Bedürfnisse befriedigen kann und das über eine einzelne App – Single Point of Entrance nennt man diesen enormen Vorteil bei der Benutzerfreundlichkeit.

Vernetzung schafft Vertrauen

Den angesprochen Faktor Vertrauen hat eine Bank, speziell im ländlichen Raum heute noch als großes Pfand. Infrastrukturelle Nachteile und demografischer Wandel, werden hier oft als Argument angeführt eine digitale Transformation in Banken nicht einzuleiten.

Die Frage, die sich stellt, ist warum schließt das Eine denn das Andere aus?

Das angesprochene digitale Angebot und persönliche Kundenbetreuung müssen keine Konkurrenten sein, man muss sich nur vor Augen führen, wie die zukünftige Geschäftsverteilung aussehen wird. Den Vertrauensvorschuss kann eine Bank nutzen, um im digitalen Raum nicht als Datenkrake, Datenhändler oder anderweitig abgestempelt zu werden. Sondern um Kunden sicher und vertrauensvoll auf Angebote im digitalen Zeitalter zu beraten und zu unterstützen. Denken wir nur an den Handel mit Krypto-Währungen, um ein Beispiel herauszugreifen. Unabhängig von dessen Erfolgsaussichten, welche regionale Bank, welche Mittelstandsbank oder gar welche Großbank in Deutschland bietet diese Service an?

Welche Bank nutzt Blockchain Technologie, welche Bank rät Kunden dazu in diese Technologiefelder der Zukunft zu investieren, welche der genannten Banken besitzt überhaupt die Kompetenz diese Themen zu bewerten und individuell ihren Kunden anzubieten? Um diese Bandbreite an Beratung anbieten zu können wird es nicht reichen die „nur“ eigenen Leistungen anzubieten, die Bank wird sich zu einer Plattform öffnen müssen. Eine Plattform, die von Micro bis Makro Kredite, von Kur- bis Langzeitfinanzierung, von Mobile Payment bis Investmentstrategien in digitale Technologie (Blockchain oder Krypto-Währungen), Services und Beratung jeglicher Art an einem Punkt mit einem Zugang ermöglicht – Banking-as-a-Service!

Geschäftsmodell von Banken: Gestern und morgen
Plattformökonomie als Grundlage der Überlebensstrategie für Banken – Banking-as-a-Service!

Weitere Kundenzugänge als Erfolgsformel

Das Internet der Zugang zur digitalen Welt ermöglicht auch weiteren Zugang zu Kunden / zum Kunden. Auf der einen Seite können neue, weitere Kundengruppen erschlossen werden, auf der anderen Seite können die Bedürfnisse des Kunden befriedigt werden. Dabei geht es nicht nur um die inhaltlichen, produktfixierten Bedürfnisse. Es geht auch um Aspekt wie Bequemlichkeit, Verfügbarkeit und Geschwindigkeit. Salopp gesagt, zu jeder Zeit, an jedem Ort, einfach und schnell nur mit „einem“ Klick alles zu sehen oder alles zu bekommen was man in diesem Augenblick benötigt.

Eine Plattform mit entsprechendem Leistungsportfolio in Kombination mit den infrastrukturellen und technischen Möglichkeiten (Single Point of Entrance) stellen eine solche Kundenerreichbarkeit dar.

Eine der größten Herausforderungen der Banken –  die persönliche Beziehung zum Kunden – kann damit auch auf eine neue Ebene im digitalen Raum übertragen werden und dies entlang der gesamten Customer Journey. Dies wiederrum bedeutet, den Kunden jederzeit andressieren zu können, ihm überall Hilfestellungen zur Verfügung zu stellen und gänzliche neue Services in das Leistungsportfolio einer Bank der Zukunft aufnehmen zu können bzw. zu müssen. Ein Gedankenspiel in diese Richtung wär ein geobasierter Micro Payment Service für Tickets zu Sport-, Kultur- oder Gesellschaftlichen Events direkt in des Kunden nähe – Und da sind die kompletten neuen Währungs- und Finanzwelten wie die der Kryptowährungen noch gar nicht beleuchtet, mit Bakkt geht erstmals eine Kryptowährungsplattform mit Unterstützung etablierter Marktteilnehmer wie Intercontinental Exchange, Microsoft und Starbucks an den Markt. Zahlungsverkehr gänzlich ohne Bank! – Potentiale für „Mehr als Bank“ sind also ausreichend vorhanden: Banking-as-a-Service.

Geschwindigkeit = Kosteneffizienz

Betrachtet man diese genannten Aspekte ökonomisch, dann hört sich das erstmal investitionsintensiv an. Dies ist in der Tat nicht von der Hand zu weisen, jede Transformation in ein zukunftsfähiges Unternehmen benötigt Kapital, um die entsprechenden Systeme einzuführen, die Kompetenzen dafür aufzubauen und die Kunden auf diesem Weg einzubinden.

Jedoch sollte man auch die andere Seite der Medaille betrachten. Eine „Digitalisierung“ der Bank bringt auch ungemeine Vorteile mit sich. Betrachtet man erstmal die internen Prozesse und Strukturen, so können im Rahmen der benötigten IT Infrastruktur auch die Prozesse digitalisiert werden. Geht eine Digitalisierung der Organisation im Sinne des Lean Management damit einher, kann eine Organisation damit nicht nur schneller und effizienter sondern gleichermaßen kosteneffizienter arbeiten. Weniger zeitlicher Aufwand für Mitarbeiter, Vorgesetzte und Drittanbieter.

Schaut man sich darüber hinaus noch die Chancen bei einer Öffnung der Bank zu einer Plattform und die digitale Adressierung der Kunden an, kann man damit dem Filialsterben entgegenwirken. Ebenso schafft eine Skalierbarkeit die Möglichkeit, weiteren rechtlichen Auflagen und steigender Regulatorik in Zukunft, ohne Mehraufwände, Genüge zu tun. Unter Anderem sind Stichwörter hier automatisierte Dokumentation, Revisionssichere Ablage, EU-DSGVO konforme Verarbeitung und Löschung von Daten. Banking-as-a-Service nicht nur für den Kunden, auch für Mitarbeiter, Behörden und Partner. Die Umstellung des Bankenwesens auf ein Plattform-Geschäftsmodell erfordert radikale Veränderungen in Mindset, Kultur und Struktur der Banken, ohne diese Transformation wird es die Bank von heute im Morgen nicht mehr geben.

Transparenz als Kompetenz

Geht man heute in einen Supermarkt, ein Bekleidungsgeschäft oder in einen Elektronikfachhändler so ist die Informationshoheit schon lange nicht mehr bei den Betreibern, sondern bei den Kunden. Der Kunde weiß bereits, was sein Wunschartikel kostet, wer es liefern kann und wann. Auch im Servicesektor wird die steigende Markttransparenz zu einer Verschiebung der Informationshoheit kommen. Dies wird selbstverständlich auch die Banken treffen – also warum nur auf das eigene Portfolio setzen und damit eine bewusste Limitierung in Kauf nehmen? Nimmt man den Plattformgedanken nochmals auf, würde eine Bank damit eine übergreifende, auf den maximalen Kundenmehrwert fixierte Finanzberatung, produkt- und bankunabhängig, schaffen. Diese Markttransparenz wird dann von der Bank vorgenommen und nicht vom Kundenselbst, was dessen Aufwände reduziert und das Vertrauensmoment der Bank enorm steigert. In Kombination mit übergreifender Finanzberatung, direktem digitalen Zugriff auf Finanzleistungen und -produkte schafft diese Transparenz einen klar vernehmbaren Mehrwert – Transparenz als Kompetenz.

Ein offener, ehrlicher und fairerer Austausch zwischen Bankberater und Kunde war der Eckpfeiler genossenschaftlicher und mittelständischer Banken, diesen in den digitalen Raum zu übertragen und die Kunden dahin mitzunehmen gelingt nur wenn auch dort transparent kommuniziert.

Alle aufgeführten Beispiele und Gedanken sind aus den Medien bekannte Themen. Sehen Sie wo die Reise – Banking-as-a-Service – hinführt?

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