Die Umsetzung der Digitalisierung im kleineren Mittestand muss greifbare Ergebnisse bringen. Daher stellen sich für Volker Enk als Inhaber eines mittelständischen Metallbaubetriebes immer die Fragen, kann ich mittels einer konkreten Maßnahme zur Digitalisierung etwas einsparen oder wird dadurch der Kundennutzen grösser? „Wenn eine der beiden Fragen mit einem eindeutigen und belegbaren JA beantwortet werden kann, machen wir das !“ so Volker Enk.

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Kleinere Metallbaubetriebe in Industriegebieten am Stadtrand hatten in den letzten Jahren im Zuge des „Baubooms“ gute Jahre. In Bezug auf die Qualität und die Liefertermintreue trennt sich jedoch die Spreu vom Weizen. Dieser Bau-Boom wird nicht ewig anhalten, daher bedarf es einer dauerhaften und qualitativen Positionierung im Markt. Kann hier die Digitalisierung helfen? Wir sprachen dazu mit Volker Enk.

Volker Enk ist ausgebildeter Metallbauer und Ingenieur und ist seit 20 Jahren Inhaber des Metallbetriebes Quint am Rande des Rhein-Main-Gebietes. Im Interview mit Transformations-Magazin.com beschreibt er aus Sicht eines mittelständischen Unternehmers die erfolgreiche Digitalisierung unter Kosten/ Nutzen-Aspekten.

„Mittelständische lokale Metallbaubetriebe sind Manufaktur-Betriebe zur Maß-Anpassung vor Ort“

Transformations-Magazin: „Ist so ein kleinteiliger Metallbaubetrieb mit Manufaktur-Fertigung überhaupt noch zeitgemäß?“

Volker Enk: Der Erfolg gibt uns Recht. Bisher jedenfalls. Die Standard-Rohmaterialen sind mittlerweile im Großhandel oder im Baumarkt für Jedermann käuflich zu erwerben. Jedoch das Aufmaß, die Beratung in Bezug auf Form, Funktion und Sicherheit und in Bezug auf die Einhaltung DIN-Normen benötigen Fachwissen und Erfahrung. Ebenso die daraus folgende maßgenaue Fertigung und Veredelung wie Feuerverzinken, Lackieren, Pulverbeschichten etc. sind nur mit Erfahrung und qualitätsgeprüften Partnern möglich. Genau darin liegt unsere zeitgemäße Einmaligkeit.

Volker Enk, Quint Stahl- Und Metallbau
Volker Enk ist ausgebildeter Metallbauer und Ingenieur und ist seit 20 Jahren Inhaber des Metallbetriebes Quint am Rande des Rhein-Main-Gebietes.

Transformations-Magazin: Geschäftsmodelle verändern sich immer schneller. Ihr Geschäftsmodell bleibt bestehen?

Volker Enk: Unser Geschäftsmodell wird im Kern bestehen bleiben, jedoch beobachten wir genau die Trends und Möglichkeiten und prüfen jeweils im Einzelfall, ob wir daraus etwas übernehmen und umsetzen können. Wir fertigen aktuell beispielweise Sicherheitskäfige für Schweiß-Roboter und nach meinem Ermessen wird so ein Roboter unsere Metallbauer mal ergänzen, um grösser Präzision und Schnelligkeit im Fertigungsprozess zu erreichen. Ich betone unsere Fachleute zu ergänzen, aber in unserer Tätigkeit als Manufaktur nie ganz ersetzen, da unsere Arbeit in Kleinstserien zu individuell ist.

Transformations-Magazin: Digitalisierung eines Metallbaubetriebes- in welche Richtung?

Volker Enk: Zuerst einmal darf sich jeder mittelständische Unternehmer über die Wirkung und Auswirkung der Digitalisierung klar werden. Wenn ich das nicht verstanden habe, analog einem Koordinatensystem, kann ich keine Funktionsgraphen zeichnen und auch keine zukunftsgerichteten Entscheidungen treffen. Mittelfristig wird alles digitalisiert, automatisiert und vernetzt werden. Und daher ist der Wind auch immer nur für den günstig, der weiß wohin er will. Ein einfach weiter so „wursteln“ ist keine Option. Jedem muss klar sein, dass die Digitalisierung alle Unternehmen und Menschen betrifft und wir das Beste aus den Gegebenheiten machen dürfen. Aber konkret, prüfe ich jeden Schritt zur Umsetzung der Digitalisierung in Bezug auf zwei Richtungen. Entweder es wird ein Beitrag zur Kosteneinsparung oder zur Steigerung des Kundennutzen geliefert und bei der Umsetzung achte ich auf eine Vorgehensweise Schritt für Schritt mit meinem Mitarbeitern, Dienstleistern und Kunden. Alle anderen Vorgehensweisen führen zu abgeschriebenen Hochleistungsservern, die im Keller ungenutzt verstauben.

Transformations-Magazin: Wieviel Digitalisierung verträgt der kleinere Mittestand?

Volker Enk: Viel, wenn ein positiver Kosten-Nutzen-Beitrag erkennbar ist. Anders als bei Großunternehmen, können wir uns zumeist keine teuren Berater und Machbarkeitsstudien leisten und daher ist der kleinere Mittelstand auch zumeist der etwas spätere Übernehmer, wenn die Technik ausgereift und die Chancen im Markt klar erkennbar sind. Was ich nicht verstehe, ist die Fokussierung der öffentlichen Wahrnehmung auf „Start-Ups“. Warum fokussieren wir uns nicht auf die Digitalisierung von erfolgreichen Bestandsunternehmen, die es gilt weiter zu entwickeln. Bestandsunternehmer haben ein Gespür für das machbare und wirtschaftlich vertretbare. Wir sollten Patenschaften zwischen Firmengründern und gestandenen Unternehmern organisieren. Da können beide Seiten von lernen und profitieren.

Transformations-Magazin: Was sind ihre nächsten Schritte in Bezug auf die Umsetzung der Digitalisierung?

Volker Enk: Wir betrachten aktuell die Handgriffe und Prozesse, die kein Kunde bezahlt und folglich auch nicht als unsere Leistung und Wertschöpfung wahrnimmt. Dazu gehören das Aufmaß, die Angebotskalkulation und die Vorstellung von Mustern in Bezug auf Formen und Farben. In einem ersten Schritt habe ich Fotos von gefertigten Stücken auf meinem Rechner, die ich vor Ort bei den Kunden präsentieren. Zudem verwende ich ein elektronisches Aufmaß und kann so zeitnah beim Kunden eine ersten Preisindikation mit einer Genauigkeit von 90 % und einen Fertigungs- und Liefertermin von +/- 14 Tagen zusagen. Wenn sich der Kunde dann für uns entscheidet, erstelle ich ein detailliertes Angebot, was ich in Zukunft im Falle der Absage eines Auftrages bepreisen möchte. Bei Auftragsvergabe ist es selbstverständlich kostenlos.

Zum zweiten betrachten wir aktuell mit unserem It-Dienstleister vor Ort, wie wir unsere Daten in eine Cloud bringen können und welche Sicherheits- und Kostenvorteile dadurch entstehen. Und dann im dritten Schritt wollen wir unsere Präsenz im Internet verbessern. Das haben wir bisher vernachlässigt, weil wir es aufgrund unseres Rufes und der „Mund-zu-Mund.-Propaganda“ bisher nicht gebracht haben. Aber jetzt mal ein Schritt nach dem anderen, das aber mit Konsequenz !

 „Ich möchte in der Region der qualitative Metallbaubetrieb bleiben.“

Transformations-Magazin: Wo endet aus ihrer Sicht die Digitalisierung?

Volker Enk: Digitalisierung endet immer dann, wenn Menschen den daraus folgenden Prozess oder das Ergebnis nicht akzeptieren, oder es wirtschaftlich keinen Vorteil bringt. Ich habe bei Kunden viele gut gemeinte Ansätze gesehen und auch wahrgenommen, dass man wieder die bisherigen Maschinen herausgeholt hat und die bisherigen Prozesse weiterverwendet hat.

Transformations-Magazin: Wir danken Ihnen für dieses Gespräch!

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