Sustainability Transformation Monitor 2023

Sustainability Transformation Monitor 2023

 
17. Januar 2023

Die Transformation zur Nachhaltigkeit ist für Unternehmungen und Organisationen ein entscheidender Faktor der Zukunftsfähigkeit. Die aktuellen Ergebnisse des Sustainability Transformation Monitors bestätigen, dass das Thema ins Zentrum der Unternehmenssteuerung gerückt ist. Gleichzeitig existieren noch einige Hürden, Hemmnisse und Herausforderungen bei der Erfüllung der Nachhaltigkeitsleistungen.

Bei vielen Unternehmungen, Organisationen und Finanzinstitutionen hapert es an der Übersetzung und Umsetzung von Nachhaltigkeitsthemen, was sich in den Herausforderungen bei der verpflichtenden Berichterstattung (EU-Taxonomie; CSRD) zeigt.

Die Erhaltung unseres materiellen und immateriellen Wohlstandes verlangt nach einer tiefgreifenden, nachhaltigen Transformation unserer Wirtschaft.

In den nächsten zehn Jahren werden wir mit unseren Konsum- und Finanzentscheidungen gemeinsam, mehrheitlich darüber entscheiden, in welcher der vielen möglichen Zukünfte wir, und insbesondere die jüngere Generation, leben wird. Die Naturwissenschaft hat längst sogenannte Kipppunkte identifiziert und publiziert, deren Überschreitung zu unumkehrbaren Veränderungen der natürlichen, klimatischen und ökologischen Rahmenbedingungen führen. Auf diesen klimatischen Rahmenbedingungen basieren global unsere derzeitigen Existenz- und Wirtschaftsgrundlagen.

Die Herausforderungen im Bereich der Nachhaltigkeit, vor denen wir als Menschheit stehen, sind in den letzten Jahren immer deutlicher ins öffentliche Bewusstsein gerückt.

Der europäische Green-Deal, also die regulative Architektur der Europäischen Union für eine nachhaltigere Wirtschaft, tritt mit der sukzessiven Überführung in nationales Recht in Kraft. Damit ist ein grundlegendes Verständnis darüber, was wir gemeinsam unter Nachhaltigkeit verstehen, geschaffen. Mit der EU-Taxonomie zur Klassifikation und Lenkung von Investitionen, den neuen Berichterstattungsstandards der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und der Offenlegungspflicht für Finanzinstitution im Rahmen der Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) wurde ein neues Fundament geschaffen, Nachhaltigkeitsleistungen in der Real- und Finanzwirtschaft zu messen und Transparenz herzustellen. Im Zuge dieser neuen Regulatorik und zunehmendem Wissen über Nachhaltigkeit kann konsequenter gegen „Green Washing“ und „Blue Washing“ vorgegangen werden.

SustainabilityTransformationMonitor 2023 T4Magazin

Quelle: Sustainabilty Transformation Monitor, Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2023 

Der Sustainability Transformation Monitor misst den Einfluss von gezielter Transformationsfinanzierung.

Das Ziel des Sustainability Transformation Monitors ist, den Status-Quo der Nachhaltigkeitstransformation der Wirtschaft auf Basis von validen Befragungen abzubilden und Verbesserungsvorschläge vorzustellen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Analyse des effektiven Zusammenwirkens von Real- und Finanzwirtschaft. Es wird überprüft, ob qualitative Daten und Geschäftsmodelle zur nachhaltigen Entwicklung durch die gezielte und abgestimmte Transformationsfinanzierung erreicht werden. Wo die aktuellen Treiber und Hemmnisse sowie die Schwierigkeiten in der Umsetzung liegen, zeigen die Ergebnisse.

Die verpflichtende Prüfung von Nachhaltigkeitsaspekten bei der Kreditvergabe macht die nachhaltige Transformation in Unternehmungen und Organisationen elementar.

Betrachtet man historisch die synergetische Verzahnung von Real- und Finanzwirtschaft, wird deutlich, dass die Finanzierung der ökologisch-sozialen Transformation nur erfolgreich sein kann, wenn die Verbindung und Interaktion beider Wirtschaftszweige verstanden wird. In dem BaFin „Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken“ wird von einer Interdependenz zwischen „physischen Risiken“ und „Transitionsrisiken“ gesprochen und zwischen „physischen Risikotreibern“ und „Transitionsrisikotreibern“ unterschieden. Im Kern geht es um die Messung, Darstellung und Veröffentlichung der relevanten Risiken und deren Management. Dabei müssen die berechtigten Perspektiven von allen beteiligten Anspruchsgruppen aus der Real- und Finanzwirtschaft berücksichtigt werden.

Folgende zentrale Fragen werden von dem Sustainability Transformation Monitor hinsichtlich der Transformation in der Finanz- und Realwirtschaft untersucht:

  • Wie läuft die Interaktion zwischen beiden Welten genau ab?
  • Wie ist es um die Formulierung verbindlicher Transformationspfade und die Verfügbarkeit sowie Standardisierung der notwendigen Informationen und Datenpunkte zur Messung ihrer Verfolgung bestellt?
  • Unterstützen die neuen Berichterstattungspflichten dabei, privates und öffentliches Kapital in nachhaltigere Projekte und Geschäftsmodelle zu lenken?
  • Zeigen Klassifikationsinstrumente, Transparenzpflichten und Standardisierung in den nächsten Jahren die angestrebte Transformationswirkung?

8 Kern-Erkenntnisse lassen sich aus dem ersten Sustainability Transformation Monitor verdichten:

  1. Nachhaltigkeit ist – trotz und auch wegen der Krisen – noch wichtiger geworden und ins Zentrum der Unternehmensteuerung gerückt.
  2. Bei der Umsetzung in allen Unternehmensbereichen und bei der Übersetzung in konkrete Prozesse und Ziele existieren noch Optimierungspotentiale.
  3. Um ökologische und soziale Nachhaltigkeit in die konsequente Umsetzung zu bringen, braucht es die richtige Governance in den Unternehmen. Auch hier existieren noch Optimierungspotentiale.
  4. Jüngere Generationen sind wichtige Treiber der Nachhaltigkeit in der Wirtschaft.
  5. Knappe Ressourcen, fehlende Kompetenzen und eine mangelnde Definition von Zielen sind die größten Hürden bei der Nachhaltigkeitstransformation.
  6. Komplexität der regulatorischen Rahmenbedingungen, Schwierigkeiten bei der Zusammenführung von Daten und mangelnde Digitalisierung sind Hürden bei der Berichterstattung.
  7. Beim Zusammenwirken von Real- und Finanzwirtschaft gibt es noch großes Entwicklungspotential.
  8. Der zielführende Dialog zwischen Real- und Finanzwirtschaft bietet noch Optimierungspotentiale; insbesondere mangelt es an der konsequenten Überprüfung von Zielerreichungen.

Aufgrund dessen, werden aktuell folgende wichtige Bereiche für Handlungsbedarf in den nächsten Jahre gesehen:

  • Eine noch tiefere Integration von Nachhaltigkeit in die Geschäftsstrategie und -prozesse: Das Setzen, Überprüfen und Berichten von konkreten nachhaltigen Zielen, die mit entsprechenden Anreizmechanismen unterlegt sind, wird elementar.
  • Schaffung einer umfassenden Datenbasis und evidenzbasiertes Management von Nachhaltigkeit: Die frühzeitige Schaffung einer hinreichenden Datenlage, um den Stand der eigenen Nachhaltigkeit präzise zu dokumentieren und evidenzbasiert zu managen.
  • Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsberichterstattung: Zunehmende gesetzliche Anforderungen verlangen nach einer validen Abbildung und Umsetzung der Nachhaltigkeitsperformance von Unternehmungen und Organisationen, wofür diese Ressourcen bereitstellen und Kompetenzen aufbauen müssen.
  • Effektive Zusammenarbeit und Dioalog zwischen Real- und Finanzwirtschaft: Die Formulierung und Überprüfung von konkreten Nachhaltigkeitszielen kann zu einem aktiveren Dialog und einer besser gesteuerten Transformation beitragen.
  • Investition in nachhaltige Technologien und digitale Prozesse: Die nachhaltige Transformation ist auch eine digitale Transformation, wenn die Anforderungen zur Dokumentation und Umsetzung nachhaltiger Ziele erfüllt werden sollen.

Der Sustainability Transformation Monitor ist eine Zusammenarbeit der Mercator Stiftung, der Universität Hamburg, der Peer School for Sustainable Development und der Bertelsmann Stiftung. Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer Konferenz am 12.01.2023 in Berlin vorgestellt. Die gesamte Studie kann hier heruntergeladen und gelesen werden.

Das T4Magazin prüft regelmäßig eine Vielzahl von Studien und Whitepaper und stellt die relevanten Ergebnisse und Erkenntnisse in diesem Blog vor. 


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Marie-Christin Lender
Über
Marie-Christin Lender
Marie-Christin Lender studierte Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit an der Leuphana Universität und machte ihren Master in zeitgenössischer Kunstgeschichte an der University of Edingburgh. Sie ist zertifizierte Nachhaltigkeitsexpertin (SDG, GRI) und hat einen Abschluss im Design-Thinking (Advanced-Track am Hasso-Plattner-Institut Potsdam). Sie ist Redakteurin des T4Magazins und des Blogs metasprung und unterstützt Unternehmungen und Organisationen bei der nachhaltigen und digitalen Entwicklung.
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