Führung unterliegt ständigem Wandel, Dynamik und Unsicherheit. In der digitalen Welt mehr denn je. Führungskräfte stehen damit vor besonderen Herausforderungen.

„Ich bin drin“ – kennen Sie noch diesen Satz? So lange ist es noch gar nicht her, dass Boris Becker damit die Nation verzückte und das Internet Einzug in Büro und Haus hielt. Das war nur der Anfang, inzwischen hat sich viel verändert. Heute ist allen klar: Wir stecken mitten in der Digitalisierung. Alle Lebens- und Arbeitsbereich werden davon erfasst und verändern die Art, wie wir arbeiten und leben, grundlegend. Und das betrifft nicht nur die Nutzung von neuen Technologien.

Wandel gab es schon immer. Das ist richtig. Doch was ist heute anders? Der Wandel vollzieht sich schlagartig und in nie gekannten Dimensionen. Er fegt Dickschiffe hinweg und verändert ganze Branchen quasi von heute auf morgen. Der gekonnte Umgang mit diesen Veränderungen wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil und stellt gerade die Menschen in den Unternehmen vor die Herausforderungen, eben mit diesem Wandel umzugehen. Und die Frage ist nicht, ob sie damit umgehen, sondern ausschließlich wie.

Mehr Führen, weniger Managen

Eine zentrale Rolle nehmen dabei die Führungskräfte ein. Eine rein leistungsorientierte Weltsicht hatte bisher einen enormen Einfluss auf gelebte Managementpraktiken. Ziele, KPIs, Scorecards und Boni standen lange im Vordergrund. Die führten zwar zu gut gemanagten Unternehmen, in denen jedoch Führungskräfte mit Überzeugungskraft und Kommunikationsfähigkeit echte Mangelware waren. Manche glauben heute, dass in der schönen neuen Arbeitswelt die Hierarchien verschwinden werden und Führung als Auslaufmodell damit auf den Abstellgleis gehört. Das Gegenteil wird der Fall sein. Führung in der Art, wie viele Mitarbeiter sie immer noch jeden Tag erleben, wird verschwinden. Echte Führung, die Mitarbeitern Freiraum lässt und Verantwortung überträgt, ist gefragter denn je.

Selbstverantwortung zählt

Mitarbeiter treten heute selbstbewusst auf und wollen in Entscheidungen miteinbezogen werden. Gleichzeitig suchen sie Leitplanken, an denen sie sich orientieren können. Sie merken ganz schnell, ob jemand führen kann… oder eben nicht. Freiraum und Führung schließen sich nicht aus, wenn darum geht, von Mitarbeitern genau das zu bekommen, worauf es heute ankommt: Selbstverantwortung. Hinkommt, dass in vielen Bereichen der Bewerbermarkt leergefegt ist und sich Unternehmen bei den Interessenten bewerben müssen. Verrückte Welt? Nein, gelebte Realität in vielen Firmen. Da zählt ganz besonders eine Führungskultur, die Unternehmen für Bewerber attraktiv macht und Talente an das Unternehmen bindet.

Eigene Einstellung entscheidet

In Zeiten der Digitalisierung gehören Kommunikation und der Umgang mit Veränderungen zum kleinen Einmaleins in jeder Führungsfunktion. Daily, Kanban und agiles Arbeiten sind nur beispielhafte Wege, um flexibler mit ständig sich verändernden Anforderungen umzugehen. Keine Führungskraft kann heute mehr alles wissen. Führungskräfte werden heute vielmehr daran gemessen, wie gut es ihnen gelingt, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Mitarbeiter ihre vollen Potenziale einbringen können. Entscheidend ist dabei die eigene Einstellung. Wie bereit ist eine Führungskraft wirklich, auf Macht und Kontrolle zu verzichten und stattdessen Verantwortung abzugeben und Feedback anzunehmen?

Führung ist anspruchsvoller geworden. Gerade Führungskräfte in kleinen und mittelständischen Unternehmen werden oft einfach ins kalte Wasser geworfen und erhalten wenig Unterstützung, wenn sie Führungsaufgaben übernehmen. Niemand wird als Führungskraft geboren und nur wenige können sich zu den Naturtalenten zählen. Für alle anderen gilt: Führung kann man lernen. Dann können Sie auch sagen: „Ich bin drin“.

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